Erschienen am: 1788265883

Bayern von oben – damals und heute

Die Bestandsgeschichte des Bayerischen Landesluftbildarchivs

Luftbilder faszinieren, weil sie die Alltagsperspektive aufbrechen und einen ungewöhnlichen Blick auf Städte, Orte und Landschaften eröffnen. Die Bayerische Vermessungsverwaltung (BVV) verfügt über mehr als 1,7 Millionen dieser spannenden Bilder aus der Vogelperspektive, die nicht nur den aktuellen Zustand der Städte, Orte und Landschaften Bayerns spiegeln, sondern vor allem auch historische Veränderungsprozesse sichtbar machen. Die ältesten Luftbilder stammen aus den 1920er Jahren, die neuesten aus den aktuell durchgeführten Bayernbefliegungen.

1975 wurde beim Bayerischen Landesvermessungsamt in München ein zentrales Landesluftbildarchiv gegründet. Seitdem werden dort Luftbilder aus ganz Bayern erfasst, archiviert, dokumentiert und der Öffentlichkeit für verschiedene Anwendungen zugänglich gemacht. Neben dem Standort München gibt es seit 2018 noch einen zweiten Archivstandort, der beim Bayerischen Landesluftbildzentrum (BayLLZ) in Neustadt a.d.Aisch angesiedelt ist. In München liegt der Schwerpunkt auf der Digitalisierung und der Speicherung des gesamten digitalen Bestands, einschließlich der aktuellen Luftbilder. In Neustadt a.d.Aisch werden rund 900 000 analoge Luftbildnegative aufbewahrt, die zuvor digitalisiert wurden.

Zu den ältesten Sammlungsbeständen der Bayerischen Vermessungsverwaltung gehören die Gelatine-Trockenplatten aus den 1920er und 1930er Jahren. Hier sind vor allem seltene Schrägaufnahmen bayerischer Städte zu finden. Schrägaufnahmen werden im Gegensatz zu Senkrechtaufnahmen in einem von der Lotrichtung abweichenden Aufnahmewinkel erstellt. Luftbilder dieser Art zeigen die Erdoberfläche, wie man sie von einem hohen Aussichtspunkt sieht. So werden hier z.B. auch Gebäudefassaden erkennbar. Aus der Zeit zwischen 1941 bis 1945 stammen rund 68 000 Luftbildkopien der alliierten Streitkräfte. Diese Aufnahmen entstanden während der Aufklärungsflüge der U. S. Army und der britischen Royal Air Force. Die rund 4 000 Luftbilder der sog. Casey Jones Befliegung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stattfand, dokumentieren den Nachkriegszustand Bayerns. Zudem ist die Casey Jones Befliegung die erste systematische und fast flächendeckende Befliegung Bayerns. Auch die von der Bundeswehr in Auftrag gegebene militärisch-geografische Befliegung (MilGeo) bietet mit rund 1 300 Luftbildern ein weiteres fast flächendeckendes Bild Bayerns in den Jahren 1962 bis 1969.

Der größte Teil der Sammlung stammt jedoch aus den sog. Bayernbefliegungen, die seit 1987 regelmäßig stattfinden. Die Aufnahmen wurden bis 2009 analog und in schwarz-weiß erstellt. Danach kamen Digitalkameras zum Einsatz, die gleichzeitig Schwarz-Weiß-, Farb- und Color-Infrarot-Aufnahmen erzeugen konnten. Dadurch wurden die Einsatzmöglichkeiten der Luftbilder um ein Vielfaches erweitert. Bei den Luftbildaufnahmen handelt es sich überwiegend um Senkrechtaufnahmen. Diese Aufnahmen sind für photogrammetrische Zwecke und für die stereoskopische Betrachtung zur Berechnung von Höhenlinien von Bedeutung. Senkrechtaufnahmen können nach der photogrammetrischen Bearbeitung mit weiteren Geodaten kombiniert werden. Damit werden zahlreiche Anwendungen von Luftbildern ermöglicht. Senkrechtaufnahmen werden u.a. für die Kartenherstellung, die Generierung von 3D-Gebäudemodellen und zur Bestimmung von Geländehöhen verwendet. Anfangs fanden die Bayernbefliegungen in einem Rhythmus von fünf Jahren statt, derzeit wird Bayern alle zwei Jahre neu beflogen. Die Bayernbefliegungen und die aktuelle Luftbildkarte können im BayernAtlas unter https://bayernatlas.de (externer Link, öffnet in neuem Tab) abgerufen werden. Zudem können in der Luftbildrecherchestation Luftbilder von Bayern im Zeitraum von 1941 bis heute unter https://www.luftbildsuche-bayern.de abgerufen werden.

Weitere Informationen zu den Luftbildern der Bayerischen Vermessungsverwaltung finden Sie hier: 
www.ldbv.bayern.de/produkte/luftbilder/